Die Chronik
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Nach vier Jahren Krieg war Deutschland am Ende. Die Armee geschlagen, die Wirtschaft zerbrochen, das Volk hungrig.
In den Kasernen entstanden Soldatenräte. In den Fabriken Arbeiterkomitees.
Binnen weniger Wochen schwand die Autorität des Kaisers.
Aus zahllosen revolutionären Gruppen formte sich die Olymp-Bewegung. Ihr Ziel: das Ende der Monarchie, die Entmachtung der alten Eliten, die Verstaatlichung von Industrie und Land.
Berlin wurde ihr Zentrum. Das Ruhrgebiet brannte. Sachsen fiel. In Bayern brachen Aufstände aus.
Was als Revolution begann, wurde zum Bürgerkrieg. Städte wechselten mehrfach den Besitzer. Brücken wurden gesprengt, Fabriken zu Festungen.
1921 fielen die letzten Bastionen der Gegenrevolution. Die Deutsche Volksunion wurde ausgerufen.
Berlin blieb Hauptstadt – nun unter roter Fahne.
Monarchistische Organisationen wurden verboten, kaiserliche Beamte entlassen, die alte Führung verhaftet oder ins Exil getrieben. Die Presse gehörte dem Staat.
Eine ganze Generation wuchs unter der Volksunion auf.
Doch auf den Dachböden lagen noch Uniformen. In den Schubladen alte Briefe. Und Großeltern erzählten vom Deutschland vor der Revolution.
1940 fanden die verstreuten Zellen zueinander. Soldaten, Arbeiter, Studenten, Beamte.
Geheime Treffen. Versteckte Waffen. Neue Versorgungslinien. Diesmal kein blinder Aufstand – sondern eine Armee.
Ein Soldat vereinte sie: August Baumer. Aus Zellen wurden Verbände, aus Verbänden eine Armee, aus der Armee eine Bewegung.
Ihr Zeichen: der Weiße Hirsch.
Im März 1943 marschierte Baumer auf Berlin.
Die Volksunion verwandelte ihre Hauptstadt in eine Festung. Straßen blockiert, Brücken vermint, Ministerien zu Bunkern.
Wochenlang tobte der Kampf um jede Straße. Baumer befahl, nicht zu weichen.
Dann brach die Verteidigung. Ein Regierungsgebäude nach dem anderen fiel.
Zum ersten Mal seit 1921 wehte keine rote Fahne über Berlin.
Baumer betrat Berlin nicht als Kaiser, sondern als Feldherr.
Doch in den Ruinen warteten Tausende – und riefen seinen Namen. Nicht als General. Als Kaiser.
Er zögerte. Die Führung des Widerstands nicht. Deutschland brauchte ein Symbol.
Am Morgen läuteten die Glocken. Die alte Krone wurde vor ihn getragen.
Baumer nahm sie. Und setzte sie auf.
Die Regierung der Volksunion floh nach Süden. München wurde ihre neue Hauptstadt.
Vier Jahre lang tobten die Kämpfe weiter. Das Kaiserreich eroberte den Norden und Westen – doch München hielt stand.
Beide Seiten bluteten aus. Die Vorräte schwanden. Das Volk war kriegsmüde.
Im März 1947 wurde die Front eingefroren.
Ein Kaiser sitzt auf dem Thron. Berlin gehört der Krone.
Doch seine Herrschaft beginnt nicht in einem goldenen Palast – sondern in einer zerstörten Hauptstadt, mit einem geteilten Land und einem Feind an der Grenze.